Retromopszucht vom Bromberg
Der alte Hund

Der alte Hund

Lieber Welpenkäufer, an dieser Stelle möchte ich mich einem Thema widmen, das oft verdrängt und unbeachtet bleibt.

Ein jeder, der sich einen Hund wünscht, denkt zunächst natürlich an die süße Welpenzeit. Lustig, verspielt, neugierig - tollpatschig, unfertig. Mit ihrem Babycharme wickeln sie uns ganz schnell ums samtige Pfötchen. Die Welt steht noch offen und es stimmt schon: jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...

Dann kommt die ungestüme Jugendphase, wo manches Mal getestet wird, ob wir alles wirklich so meinen, wie wir es sagen. Diese Zeit kann anstrengend und manchmal sogar nervenaufreibend sein. Wir werden auf die Probe gestellt - sind wir im wahren Sinn gute Anführer, langmütig, geduldig, durchsetzungsfähig - aber auch humorvoll? Solche Menschen lieben unsere Hunde und können respektvoll zu ihnen aufschauen - aber eben auch furchtlos und voller vertrauter Liebe.

Schließlich haben wir unseren kleinen Kumpan ins Erwachsenenalter geführt und werden mit der Zeit ein immer eingeschworenes Team. Man versteht sich, man vertraut aufeinander - die Zeichen füreinander werden auf beiden Seiten routinierter und oft genügt schon ein Blick und das Gegenüber weiß bescheid.

So vergehen die Jahre miteinander unbemerkt und wie im Flug und plötzlich stellt man fest: Die Zeit, sie ist davongerannt wie Wasser zwischen unseren Händen. Unser geliebter Hund hat ein weißes Schnäuzchen bekommen, seine Augen sind nicht mehr so klar wie einst und seine Bewegungen verlieren an Geschmeidigkeit. Er braucht länger um "warmzulaufen" und irgendwie werden wir auch das Gefühl nicht los, dass das Gehör an Schärfe eingebüßt hat.

Nun ist es an der Zeit die, scheints gestern noch nicht existierenden Veränderungen, bewusst anzuschauen und unseren Hund als alternden Hund wahrzunehmen - seinen sich nun allmählich verändernden Bedürfnissen gerecht zu werden.

Der Gang zum Tierarzt für einen Check kann hier frühzeitig wichtige Informationen liefern, wobei auch die Zähne des alternden und alten Hundes gut beobachtet werden sollten - Zahnstein und Zahnschäden werden wahrscheinlicher, je älter das Tier ist und können unbemerkt viel Schaden und Schmerzen anrichten. Eventuell ist zudem an eine angepasste Ernährung zu denken - Leber und Nieren des alten Hundes könnten dadurch entlastet werden, darüber können Blutwerte Auskunft geben. Oft hilft ein Geriartrikum, die ersten Alterserscheinungen noch ein Stück weit zurück zu drängen und die Lebensqualität länger auf einem guten Level zu halten.

Ab nun sollten wir einen Gang zurückschalten. Die Spaziergänge sind nach wie vor wichtige Tagespunkte - mit einem alternden Hund dürfen sie nun aber auch etwas ruhiger angegangen werden. Kälte und Nässe werden nicht mehr so einfach weggesteckt wie in jungen Jahren und man kann überlegen, wie man seinem Hund alles etwas angenehmer gestalten kann - eventuell auch mit einem Hundemantel oder einem orthopädischen Hundebettchen, wo er im Anschluss an einen Spaziergang seine Knochen ausruhen kann.

Alte Hunde brauchen häufig für alles einfach etwas mehr Zeit, sie schnüffeln beispielsweise lange auf einer Stelle und vergessen die Welt um sich herum dabei. Dann ist es an uns ein weiteres Mal zu beweisen, dass wir gute Anführer sind und sollten unserem alten Hund diese Zeit gönnen, bevor wir ihn sanft daran erinnern, dass er eigentlich noch ein Stück Weges mit uns zu gehen vorhatte.

Je kürzer die Strecken werden, die der Hund noch laufen kann - unsere sehr alten Hunde gingen letztlich nur mehr Gartenrunden auf unserem großen Grundstück -, desto mehr sollten wir darauf achten, dass die Krallen nicht zu lang werden, denn dies quält einen Hund unter Umständen so sehr, dass er schließlich gar nicht mehr laufen möchte. (Es ist erschreckend zu sehen, wie wenig manche Hundehalter auf die Krallenlänge ihrer Tiere achten und das oft schon in jungen Jahren...)

Körperpflege wie das regelmäßige Bürsten ist mehr als nur das Entfernen von totem Haar, Staub und Schmutz aus dem Fell. Es gibt uns Gelegenheit, den Hund sehr genau zu betrachten. Sind die Ohren in Ordnung? Sabbert der Hund ungewöhnlich? Hat er irgendwo einen Knubbel oder eine Hautläsion? Ist er überall schmerzfrei? Riecht er normal? Und neben dieser Kontrolle, die uns ermöglicht nichts zu übersehen und kleine Leiden schnell zu heilen, geben wir ihm das Gefühl der Nähe, Wärme und der Geborgenheit während wir uns so intensiv mit ihm beschäftigen.

So beachtet, behütet und im Ernstfall behandelt, können unsere Hunde auch ihre letzten Jahre in vollen Zügen mit uns genießen.