Retromopszucht vom Bromberg
Die Hündin

Die Hündin

Anders als beim Rüden verläuft das Leben der Hündin in vier sich wiederholenden Zyklen. Da selbst vielen Hündinnenbesitzer/inne/n das Verständnis von diesen Vorgängen fehlt, möchte ich an dieser Stelle darüber berichten.

Die Hündin wird meist zweimal im Jahr läufig. Die Intervalle zwischen den Läufigkeiten betragen durchschnittlich 5 - 7 Monate. Jede Hündin hat dabei ihren eigenen relativ konstanten Zyklus. Um das Thema ausreichend zu erklären, möchte ich mit ein wenig Anatomie beginnen...

Der Aufbau des Geschlechtsapparates

Am hinteren Nierenpol der Hündin liegen auf beiden Körperseiten die etwa 1 - 2 cm großen Eierstöcke (Ovarien). Diese produzieren die Eizellen und die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron.
Beim Eierstock unterscheidet man das Mark (Gefäße) und die Rinde (die Eizellen in den sogenannten Primärfollikeln).
Aus diesen Primärfollikeln entstehen nacheinander die Sekundärfollikel, dann die Tertiärfollikel, aus denen mit dem Eisprung (Ovulation) die Eizellen frei werden.
Die Reste der Follikel bilden sich zu den Gelbkörpern um, welche das Schwangerschaftshormon (Progesteron) produzieren.
Die Eizellen werden vom Trichter des Eileiters aufgenommen, dieser verbindet den Eierstock mit der Gebärmutter. Der Eileiter dient nicht nur zum Transport der Eizellen, sondern er ist gleichzeitig Ort der Befruchtung.
Die Gebärmutter stellt den erweiterten Teil des Geschlechtsapparates dar und liegt fast vollständig in der Bauchhöhle. Sie besteht aus zwei Gebärmutterhörnern, dem Körper und dem Gebärmutterhals. Die sich anschließende Scheide verläuft zunächst waagerecht und knickt im Beckenausgang nach unten ab.

Die Zyklusphasen   

Der Proöstrus (die Vorbrunst): Dauer 7 - 13 Tage, Anschwellung der Scheide, blutiger bis fleischwasserähnlicher Scheidenausfluß, Rüden werden abgewehrt.
Der Östrus (die Brunst): Dauer 3-8 Tage, angeschwollene Scheide, Scheidenausfluß allmählich heller werdend und abnehmend, Deckbereitschaft.
Der Metöstrus (die Nachbrunst): Dauer 9 - 12 Wochen, Abschwellen der Scheide, eventuell Ausbildung der Anzeichen einer Scheinträchtigkeit.
Der Anöstrus (sexuelle Ruhephase): Dauer 2 - 4 Monate, jegliche Anzeichen eines Sexualzyklus fehlen.
An dieser Stelle meiner Ausführungen möchte ich deutlich sagen, dass die Vorgänge während der Hitze nicht schmerzhaft oder gar krankhaft sind. Die Hündin sollte deswegen auch keinesfalls besonders verhätschelt oder geschont werden. Dazu besteht kein Anlass. Ganz im Gegenteil. Die Hündin braucht viel frische Luft wie immer und sie sollte genauso behandelt werden wie immer.

Die Scheinträchtigkeit

Ist eine Hündin stark dazu veranlagt, wird es früher oder später zu dem kommen, was ich in diesem Punkt abhandeln werde: Die Scheinträchtigkeit ist ein Syndrom aus psychischen und physischen Veränderungen.
Sie tritt 4 - 9 Wochen nach der Läufigkeit auf und dauert 2 - 3 Wochen. Die Ursache ist ein langes Bestehen des Gelbkörpers.
Typische Symptome einer Scheinträchtigkeit sind: Anschwellen des Gesäuges, bis hin zu hochgradiger Milchsekretion, Unruhe, Nestbauverhalten, Herumtragen und Bemuttern von Spielsachen.
Ablenkende Maßnahmen wie viel Bewegung, knappe Fütterung und das Wegräumen von Spielsachen sind einfache und hilfreiche Gegenmaßnahmen.
Das Ausmelken des Gesäuges muss unterlassen werden, da sonst die Milchbildung angeregt wird. Kühlung mit Coolpacks bringt bessere Abhilfe.
Bei ständig wiederkehrenden stark ausgeprägten Scheinträchtigkeiten, unter denen die Hündin seelisch und körperlich leidet, ist eine Kastration zu empfehlen.

Abschließend sei noch eine Erkrankung, die im Anschluss an die Hitze der Hündin auftreten kann, erwähnt.

Die Pyometra

Was bedeutet eigentlich Pyometra?
Es handelt sich hierbei um eine Ansammlung von eitrigen oder blutig-eitrigen Exsudaten(Ausflüssen) in der Gebärmutter bei verschlossenem Muttermund.
Wie kommt es dazu?
Zum Läufigkeitsende ist der Muttermund noch nicht keimdicht verschlossen und Keime können so ungehindert eintreten. Da die Abwehrbereitschaft der Gebärmutter zu diesem Zeitpunkt stark geschwächt ist, kann es zur lokalen Infektion kommen. Die Keime vermehren sich und Giftstoffe werden gebildet. Der Muttermund schließt sich zwischenzeitlich wieder und das gebildete Sekret kann so nicht abfließen. Durch die zunehmende Füllung mit eitriger Flüssigkeit kommt es circa 6 - 8 Wochen nach der Läufigkeit zum Auftreten folgender, sehr typischer Krankheitssymptome:
Zumeist hochgradig gestörtes Allgemeinbefinden, extrem vermehrtes Trinken (2 - 3 mal mehr als sonst!), Fieber, schlechte oder keine Futteraufnahme, eventuell Erbrechen. Aus der Scheide kann eventuell ein schmieriger eitrig-blutiger Ausfluß zu beobachten sein.
Bei dieser Symptomatik tut man gut daran, einen Tierarzt aufzusuchen - es handelt sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung! In den meisten Fällen wird er zur sofortigen Operation raten.