Retromopszucht vom Bromberg
Expertenstimmen

Expertenstimmen

Wir beschäftigen uns mit dem Bemühen, den heute bekannten Mops über die Einkreuzung einer Fremdrasse wieder zu einer normaleren, hundlicheren Form zu bringen und ihm so wieder mehr Gesundheit und somit mehr Lebensqualität zu verschaffen.

Dieser Zuchtweg rettete den Mops laut offizieller Berichte schon einmal aus einer genetischen Enge, seinerzeit wurde ebenfalls ein Hund der Kategorie "Terrier und Rattler" eingekreuzt, nämlich der Pinscher.

Es ist in unserer Zucht mittels der Einkreuzung des Parson Russels binnen kürzester Zeit zu erheblichen Verbesserungen hinsichtlich der Lebensqualität bei der Retromopsnachzucht gekommen. Wenn man so will, könnte man es als hochwirksame Sofortmaßnahme betrachten, ähnlich der Ersten Hilfe bei lebensbedrohlichen Situationen.

Die markantesten Punkte der erstrebten Verbesserung seien nochmals kurz benannt:

Die Kopfform wird weniger brachyzephal. Das heißt, der Hund bekommt mehr Schnauze, die Nasengänge werden wie auch die Gehörgänge offener. Proportional passen Weichteile des Gaumens und die Zunge wieder besser.  Die Rollfalte auf dem Nasenrücken reduziert sich, die Augen werden wieder besser in den Schädel eingelagert. Ein längerer Hals und Rücken geben bessere Beweglichkeit. Eine verbesserte Mimik und Gestik ermöglicht wieder klarere Konversation mit Artgenossen. Durch die genetische Erweiterung des Pools ist eine bessere gesundheitliche Lage des Hundes zu erwarten.

Wir haben uns dazu entschlossen dies, offen und ehrlich bekannt zu machen und nicht verdeckt zu lavieren und dem staunenden Publikum hernach Zuchterfolge zu präsentieren, die wir inhaltlich nicht begründen könnten. So sehen wir uns diesbezüglich natürlich immer wieder in Gespräche verwickelt. Aber gibt es eine Alternative? Unsere Argumente sind doch schlüssig.

Ein Gegenargument, welches wieder und wieder vorgebracht wird ist, dass das Wesen des Mopses verändert werden könnte. Was aber ist das Wesen des Mopses?  Was ist das absolut Einzigartige daran, was die Halter dieser oft bedauernswert eingeschränkten Hunde so ängstlich macht, wenn sie an eine Veränderung denken????

Ist die schier hilflose Duldsamkeit des Mopses gemeint, die ihn schon regelrecht wehrlos macht, gegen jedwede Art der falschen Behandlung?  Sehen wir hier einen Hund vor uns, den man auch halten kann, wenn man eigentlich gar nichts vom Wesen der Hunde versteht?

Ist der Mops ein Opfer? Wurde seine körperliche Unversehrtheit und das Anrecht auf ein gesundes und freudvolles langes Leben der Bequemlichkeit und der Gedankenlosigkeit geopfert?

Könnte es sein, dass der drahtigere Mops schon zu allen Zeiten der Mops war, der einfach etwas mehr Engagement und Hundewissen von seinem Menschen eingefordert hat? Ist dieser Typ Mops letztlich darum so rigoros aussortiert worden, weil er wieder mehr Hund sein konnte? War der Mops vor der Pinschereinkreuzung vielleicht deswegen so am Ende, weil mit den drahtigen Varianten auch die Fitness auf Nimmerwiedersehen abhandenkam??

Wurde nach der Einkreuzung der Pinscher, die sicher auch wieder etwas mehr an Hundlichkeit in den Mops einbrachten, schließlich von den gleichen Leuten wieder die gleichen Zuchtkriterien angewendet und so ein weiteres Mal lieber auf 'absolut harmlos' als auf 'absolut fit' selektiert??

Und zahlt gerade wieder der Mops die Zeche??

Warum tun eingesessene Zuchtverbände so als könne man die Situation des Mopses unverändert weiterhin als normal ansehen, während kynologische Experten und dieTierärzteschaft dringend eine Änderung des Zuchtweges anraten?

In einem Interview mit der "HundeWelt" (2/03) äußert beispielsweise die Zuchtleiterin des Deutschen Mopsclub e.V.so: "Im Wesentlichen hat sich die Rasse nicht verändert. Natürlich bestand auch hier die Gefahr der Übertypisierung, diese konnte jedoch gebannt werden, eh es zu gravierenden Problemen kam."

Auf die Frage, ob Möpse wegen ihrer kurzen Nasen bei Hitze Atemprobleme hätten, antwortet sie: "Möpse sind sicher hitzeempfindlicher als andere Rassen. Diese Probleme dürften allerdings weniger an einer zu kurzen Nase als vielmehr an einem im Einzelfall zu kurzen Hals liegen."

Der wiener Kynologe und Fachbuchautor Dr. Hellmuth Wachtel äußerte daraufhin erbost und fassungslos: "Das darf doch nicht wahr sein. Zum Thema ob alle Möpse schnarchen sagt Frau W. vom Deutschen Mopsclub e.V.: Ich fürchte ja... die Besitzer genießen das - es wirkt so schön
beruhigend.

Nun, ich hoffe sehr, die Besitzer beruhigt das keineswegs, denn es ist ein Symptom des BAOS (Brachycephalic Airways Obstruction Syndrom), also von Atembeschwerden, weil zu viel nicht mit dem Schädel proportional verkürztes Weichgewebe die Atemwege verstopft.

Dazu kommt noch die erhöhte Hitzeempfindlichkeit, was nach Frau W. weniger an der weggezüchteten Nase als an dem zu kurzen Hals liegen soll. Kein Wort darüber, was da züchterisch zu geschehen hätte, auch zu den vorgewölbten zu großen und daher verletzungsgefährdeten Augen!

Die Höhe ist, wenn noch allen Ernstes nach behauptet wird, die Rasse hätte sich im Wesentlichen nicht verändert, die Übertypisierung wäre vor Entstehung gravierender Probleme gebannt worden. Wo hätte die denn noch hinführen können, fragt man sich?

Ein Blick auf die Darstellung des (von Brehm viel gelästerten) Mopses in dessen Tierleben der ersten Ausgaben zeigt einen eigenartigen, ausgesprochen hübschen, aufgeweckt aussehenden, muskulösen Hund mit kurzem Fang und ohne vorstehende Glotzaugen. Seither ist es gelungen, daraus einen schwammig wirkenden Typ mit zur Kugel komprimierten Kopf, praktisch ohne Nase auf Kosten von dessen Lebensqualität zu züchten.

Es ist unverständlich, dass im 21. Jahrhundert, nach der Konvention des Europarates zum Schutz der Heimtiere, dem Tierschutzparagraphen 11b und dem Verpflichtungsmanifest der Präsidenten der kynologischen FCI-angeschlossenen Verbände Deutschlands, der Schweiz und Österreichs gegen Übertypisierung solche Aussagen möglich sind. Nichts gegen den Mops, er muss unter allen Umständen erhalten werden, aber unter Gewährleistung der Voraussetzung für einLeben mit guter Qualität. Das wieder zu erreichen müssen sich die mit ihm befassten Rasseclubs verpflichtet fühlen."

(Mehr zu Hellmuth Wachtel: https://de.wikipedia.org/wiki/Hellmuth_Wachtel )

Das Bild aus Brehms Tierleben
Das Bild aus Brehms Tierleben

Ein weiteres Beispiel für die zur Schau getragene Blauäugigkeit der Zuchtverbände ist die häufig aufgestellte Behauptung, dass sich die Rasse aus sich selbst heraus wieder in eine gesündere Richtung entwickeln könnte.

Die Kynologin Frau Professor Dr. Sommerfeld-Stur schreibt hierzu auf ihrer Seite: "Das ist ja zunächst auch mal gar nichts Böses. Eine bestimmte Hunderasse zu bevorzugen, weil man von deren Qualitäten überzeugt ist, ist genauso legitim wie der Wunsch eben diese Rasse durch eigene züchterische Arbeit zu verbessern bzw. zu erhalten. Und dass züchterische Arbeit, die bestimmte vorgegebene Eigenschaften fördert und erhält, sich am einfachsten im Rahmen von Reinzucht abspielt, ist eine Erfahrung, die bis weit in die Anfänge der züchterischen Nutzung von Tieren durch den Menschen zurückreicht.

Problematisch wird es dann, wenn sich aus dieser Bevorzugung ein Reinzuchtdogma entwickelt,
das auch dann, wenn andere züchterische Strategien angemessen oder notwendig erscheinen, den Reinzuchtgedanken um jeden Preis verteidigt. Besonders problematisch wird es, wenn dieser Preis die Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung der Hunde einer Rasse ist. Und wenn dann eine durchaus angemessen bzw. notwendig erscheinende Initiative eines Zuchtverbandes,
die massiv eingeengte genetische Varianz einer Rasse und die daraus entstehenden gesundheitlichen Probleme über eine Veredelungskreuzung zu verbessern, mit einem Weltweiten "Aufschrei" des Protestes beantwortet wird, dann erscheint das aus sachlich-genetischer Sicht schlichtweg unpassend.

Ein Problem der Selektionszucht in geschlossenen Zuchtpopulationen besteht darin, dass Gene, die durch Selektion oder genetische Drift aus einer Population verschwunden sind, nicht von selber wieder neu erscheinen. Verlust an Genen und damit auch Verlust an genetischer Varianz ist somit primär einmal eine irreversible Sache. Die einzige Möglichkeit verloren gegangene Gene bzw. verlorene genetische Varianz in einer Population wieder herzustellen ist die Immigration, landläufig auch als Kreuzung oder Outcross bekannt. Realistischerweise muss man sich wohl darüber im Klaren sein, dass solche Blutauffrischungen in vielen Rassen in der Vergangenheit beabsichtiger- oder unbeabsichtigterweise wohl immer wieder geschehen sind. Vielleicht würde es manche Rassen heute gar nicht mehr geben, wenn nicht immer wieder mal "frisches Blut" zugeführt worden wäre."

An anderer Stelle (Hundemagazin WUFF, Oktober 2014) lautet ihr Statement: "Der einfachste Weg, dem Mops wieder zu besserer Lebensqualität zu verhelfen, nämlich eine Selektion innerhalb der Rasse auf längere Nasen und bessere Atemkapazität, ist somit kaum mehr möglich. Denn die Gene, die für eine längere Nase verantwortlich sind, sind durch die intensive Selektion bereits mehr oder weniger vollständig verloren gegangen. Und wenn in einer geschlossenen Population, wie es eine Hunderasse ist, Gene verloren sind, dann ist das ein unwiderruflicher Verlust. Die einzige Möglichkeit, verlorene Gene wieder zu bekommen ist eine Einkreuzung."

(Mehr zu Frau Prof. Dr. Sommerfeld-Stur: https://sommerfeld-stur.at/kreuzungen/ )

Immer wieder hört man von den eingesessenen Verbänden, ihre Tiere wären ja gesund - nur die "wild" Gezogenen und Vermehrerhunde seien die kranken.

Der Leiter der Kleintierklinik der Universität Leipzig Professor Dr. Öchtering äußert hierzu auf dem 6. Leipziger Tierärztekongress, der ganz im Zeichen der Qualzucht stand, in seinem Eröffnungsvortrag zur Brachyzephalie unter anderem: "Oft wird in Züchterkreisen argumentiert, die eigene Zucht sei ja völlig gesund, schuld seien die privaten, also die nicht den offiziellen Zuchtvereinen angeschlossenen "Hobbyzüchter" beziehungsweise die schlecht gezüchteten Tiere aus dem Ausland. Das ist ganz sicher falsch. Bei den von uns behandelten Tieren mit schweren angeborenen Erkrankungen sehen wir, dass die vereinsmäßig organisierte Zucht die gleichen Organfehlbildungen hervorbringt wie wir sie bei Tieren anderer Herkunft vorfinden. ..."

Bereits im Jahr 2010 erschien übrigens eine internationale Veröffentlichung von Professor Dr. Öchtering: "Das Brachyzephalensyndrom - Neue Informationen zu einer alten Erbkrankheit" im Veterinary Focus. Dort äußert er nach seinen Erfahrungen würden die Atemprobleme brachyzephaler Rassen wie die des Mopses tendenziell nicht besser, sondern zunehmend hochgradiger und träten immer häufiger auch bei Tieren in jüngerem Alter auf. Er fordert von Züchtern und Zuchtverbänden eine Umorientierung: "Es ist höchste Zeit für ein radikales Überdenken der brachyzephalen Zucht. Letztlich handelt es sich bei der Brachyzephalie um eine zu 100 Prozent Menschen gemachte Erkrankung."

(Mehr zu Professor Dr. Oechtering: https://kleintierklinik.uni-leipzig.de/ )

Das Fazit einer vergleichenden Studie im Rahmen einer Inaugural-Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München aus dem Jahre 2012 lautete: 

"Die Zucht von Möpsen mit deutlich längeren Nasen ist zu befürworten."

Verglichen wurden  Standard-  und Retromöpse als  brachyzephale  Rassen sowie  der Beagle als
mesozephale Kontrollgruppe. Die Gruppe der zu testenden Standardmöpse bestand sowohl aus 24 Hunden aus VDH-Zuchten, als auch aus Tieren aus 23 Möpsen aus verbandsfreien Hobby- zuchten bzw. unbekannter Herkunft.

Im Rahmen der Studie mussten die Hunde eine Strecke von 1 km auf einem Laufband absolvieren - man verglich dabei Herzfrequenz, Atemfrequenz und Temperatur.

Signifikante Unterschiede taten sich bei den Untersuchungen der Atmung auf:

Auskultatorisch zeigten 0% der Retromöpse Atemgeräusche - hingegen 83% der Standardmöpse.

Atemfrequenzbetreffend sah es folgendermaßen aus: Die Ruhefrequenz der Retromöpse lag bei 30,5 Atemzügen pro Minute - die der Standardmöpse bereits bei 51,7. Nach Belastung lagen die Retros bei 64,1 Atemzügen - die Standards hingegen bei 102,9 Atemzügen pro Minute.

Nach der festgelegten Erholungszeit lagen die Retros wieder bei 29,7 - die Standards aber immer noch bei 54,5.

Nach dem Belastungstest waren 100% der Retros nach 15 Minuten Erholung wieder im Normalzustand - hingegen konnten aber nur etwa 50% der Standardmöpse zu ihrer Ruheatemfrequenz zurückfinden.

Dies bedeutet im Klartext: Rund die Hälfte der Standardmöpse bestanden den milden Test nicht!

(Die gesamte Studie: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/14704/1/Martin_Verena_Marlene.pdf )

Hier die eindeutige Warnung der Tierärztekammer vor dem Kauf plattgesichtiger Möpse: https://www.bundestierärztekammer.de/downloads/btk/presse/2016/Flyer%20Brachycephalie.pdf

Die schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin hebt in ihrem Positionspapier die von mir begründete Zuchtform des Mopses, den Retromops, als beispielhaft für eine vernünftige Zuchtform hervor.

Darüber bin ich sehr zufrieden und glücklich!

"Viele rundköpfige Hunderassen hatten vor 100 Jahren signifikant längere Nasen. Heute gibt es nur noch zwei Vertreter einer vernünftigen Zucht: der Retromops und die Continental Bulldogge. In der Schweiz und im nahen Ausland bemühen sich die Züchter sehr, den Vorschriften der Tierschutzgesetzgebung nachzukommen." (Zitat aus dem Positionspapier - wenn Sie das Original lesen möchten, klicken Sie auf das Bild unter diesem Text.)

Die Süddeutsche Zeitung - 6. Januar 2018 - ich gebe den Inhalt hier mit meinen Worten wieder:

In Großbritannien haben aktuell Tierärzte die Initiative BREED TO BREATHE ins Leben gerufen.
Viele Tiere sind laut der TAs derart überzüchtet, dass sie an Atemnot leiden und sich kaum mehr bewegen können. Auf dieses Leiden wollen die Ärzte aufmerksam machen....
Sie appellieren mit der Initiative keine Werbung mehr mit rundköpfigen Rassen zu machen.
Mehr als die Hälfte aller Tiere leiden laut der TAs an Atemnot, weil Schädel und Luftwege deformiert sind - es bliebe häufig für Tierärzte nur die Möglichkeit, den Tieren operativ Abhilfe zu schaffen und die Luftröhre freizuschneiden.
Bulldoggen und Möpse litten zudem nicht nur unter Atemproblemen, es drohten ihnen Sehprobleme, Hautkrankheiten, Zahnschmerzen und Übergewicht. Einige Hundekörper wären zudem so deformiert, dass natürliche Geburten gar nicht mehr möglich wären.
Weniger als 10% der Halter seinen in der Lage, die Probleme ihrer Tiere richtig einzuschätzen. Viele hielten das Röcheln ihrer Hunde für eine "normale Atmung".
Deswegen der Tierarzt-Appell mit diesen Rassen keine Werbung mehr zu machen.
Das längerfristige Ziel der TAs sei es, dass mit diesen ungesunden Tieren überhaupt nicht mehr gezüchtet werden solle. Das hieße sich vom bisherigen Aussehen dieser Rassen zu verabschieden.