Retromopszucht vom Bromberg
FAQ

Häufig gestellte Fragen


Warum wird bei der Zucht des Retromopses eine fremde Rasse mit eingekreuzt? Kann man den gleichen züchterischen Erfolg nicht durch Selektion innerhalb des bestehenden Mopsbestandes erreichen?

Das größte Problem des Mopses ist - neben einer ganzen Menge anderer    gesundheitlicher Beeinträchtigungen - seine Rundköpfigkeit, die zu Problemen der oberen Atemwege führen kann.

Diese Problematik wird zusammenfassend als "Brachycephales Atemnot Syndrom" (BAS) bezeichnet. Klassische Symptome sind Stress- und Hitzeintoleranz, starkes Schnorcheln oder Röcheln, akute inspiratorische Atemwegsbeschwerden, Atemnot, Blaufärbung der Schleimhäute bis hin zum Kollaps. Zudem verursacht das verlängerte und oft extrem verdickte Gaumensegel bei nicht wenigen betroffenen Hunden einen ständigen Würgereiz, der zu Erbrechen führen kann. Im Bereich des Kehlkopfs können ebenfalls krankhafte Veränderungen auftreten, nicht selten wird der Kehlkopfknorpel über die Jahre instabil, so dass die Gefahr eines Kehlkopfkollapses besteht. Die Knorpelspangen der Luftröhre sind beim Mops häufig weich, so dass sie zum Trachealkollaps neigen. Die vorgenannten Merkmale können einzeln oder , was häufig der Fall ist, in Kombination mit einander auftreten. Problembehaftet sind zudem auch die, aus den verflachten Augenhöhlen hervorstehenden und damit verletzungsgefährdeten Augen.

Standardmöpsin
Standardmöpsin

Häufig wird argumentiert, die gesundheitliche Verbesserung der Rasse Mops sei möglich, indem man auf Tiere hin selektiere, die die gewünschten Merkmale wie prominente Schnauzenpartie, besser eingebettete Augen, längere Rücken, festeres Bindegewebe etc. zeigen. Hierbei handelt es sich unserer Meinung nach jedoch lediglich um eine Wunschvorstellung. Viel zu lange schon wurde konsequent auf das, sich bei den heutigen Standardmöpsen zeigende Exterieur selektiert. Der Genpool des heutigen Mopses gehört zudem mit zu den kleinsten in der gesamten Hundewelt. Und daraus will man nochmals aussortieren? Es wäre das sichere Ende der Rasse...

Sollte eine derartige selektive Zuchtarbeit entgegen unserer sehr begründeten Auffassung aber dennoch machbar sein, so bliebe immer noch der ethisch-moralische Aspekt, der es verbietet, für eine nicht absehbare Zeitspanne während dieser Zucht auch Hunde hervorzubringen, die mit großer Wahrscheinlichkeit in ihrer Lebensqualität mehr oder weniger stark eingeschränkt wären. Das absehbare Leid von Welpen, die erwartungsgemäß in nicht unerheblichem Maße in dem derzeit extremen körperlichen Zustand auch in weiteren solcher Würfe zu erwarten wären, kann einfach nicht mehr hingenommen werden!    

Das züchterische Einbringen gesunder Tiere einer passenden Fremdrasse und die anschließende Verdrängungszucht zurück auf die Rasse Mops führt uns sofort weg vom den züchterischen Extremen der letzten Jahre und mit großer Zuverlässigkeit zurück zum genetisch reicheren und phänotypisch gemäßigterem Mops, der damit wieder Hund sein kann und darf. Das beweisen unsere Zuchtergebnisse in weit über einem Jahrzehnt der Retromopszucht eindrucksvoll.

Zu dieser Thematik sei auch an dieser Stelle die bekannte österreichische Genetikerin Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur zitiert:

"Aus sachlicher Sicht gibt es somit keine wirklich berechtigten Argumente gegen Einkreuzungen. Im Interesse der Gesundheit von Rassehunden sollten sie daher immer dann in Betracht gezogen werden, wenn die genetische Varianz einer Population erschöpft ist bzw. wenn gesundheitliche Probleme einer Rassepopulation durch andere Maßnahmen nicht mehr unter Kontrolle zu bringen sind. Dogmatische Ablehnung jeder Art von Einkreuzung durch Züchter und Zuchtverantwortliche erscheint jedenfalls im Sinne der von Zuchtverbänden durchwegs als eines der wichtigsten Ziele geäußerten Intention zur Zucht gesunder Rassehunde kontraproduktiv und ungerechtfertigt."

Verändern sich das Rassebild und der Charakter nach einer Einkreuzung?

Natürlich wich ein Teil der Nachzucht in den ersten Generationen vom Typus der Ausgangsrasse ab. Innerhalb weniger Generationen erhielten wir im Rahmen der Rückzucht jedoch wieder absolut mopstypische Hunde - allerdings ohne die in den letzten Jahren ins Extrem geführten Zeichen Übertypisierung.

Bitte orientieren Sie sich deswegen im Interesse des Hundes am Erscheinungsbild der Möpse wie sie auf historischen Abbildungen zu sehen sind und NICHT am ins Extrem geführten Standardmops der neueren Zeit - so an sich selbst leidend war der Mops doch nie gemeint!

Charakterlich ist der Retromops ein freundlicher, aufgeschlossener Begleithund, der leicht zu führen ist und keinesfalls durch die Einzucht des Parson Jack Russell Terriers, Beagles oder Pinschers seine "mopstypischen" Eigenschaften verloren hat.

Unsere Nachzucht ist friedlich, intelligent und verspielt. Lebenslustige und lebensfähige Begleithunde. Das von Gegnern unserer Zuchtrichtung mitunter eingebrachte Argument des Wesensverlustes ließ sich nicht halten!

Warum haben Sie sich ausgerechnet für die Einkreuzung eines Jagdhundes, nämlich des Parson Jack Russell Terriers entschieden?

Der Parson Jack Russell Terrier wurde als Erster bewusst wegen seiner bislang noch außerordentlichen Genvielfalt zur Einzucht gewählt. Er gehört zu den wenigen Hunderassen die nie zum Modehund wurden und dementsprechend nie ausschließlich auf "Showschönheit" sondern auf Arbeitstauglichkeit - sprich Leistung - und damit quasi zwangsläufig auf Gesundheit gezüchtet wurden. Ihre genetische Vielfalt ist auch der Grund dafür, dass diese Hunde oft noch so deutlich in ihrem Aussehen variieren. Wer diese Tiere kennt, weiß, dass sie - aus einer guten Zucht kommend und richtig geführt - zwar lebhaft und agil aber keinesfalls überdreht oder unkontrollierbar sind. Im Gegenteil, ein solcher Hund musste schließlich "arbeiten" - was neben einer gewissen, nicht abzustreitenden terriertypischen Eigenständigkeit auch und vor allem eine große Kooperationsbereitschaft voraussetzte.

Der Parson Jack Russell wurde dann im nächsten Schritt züchterisch anteilig wieder zugunsten des Mopses zurückgedrängt. Dies geschah und geschieht durch sorgsame Selektion der zur Zucht geeigneten Tiere, die über die gewünschten Eigenschaften verfügen. Tiere mit unerwünschten Eigenschaften, z.B. mit deutlich ausgeprägter Jagdpassion, fanden und finden dagegen erst gar keine Verwendung in unserer Zucht.

Das Ergebnis unserer Zuchtarbeit ist ein kleiner Gesellschaftshund mit einem eher gering ausgebildeten Jagdinstinkt, wie man ihn bei einem kleinen Begleithund erwarten kann und der sich erzieherisch absolut gut beeinflussen lässt.

Miocki von Familie Rothert mit Igelbesuch
Miocki von Familie Rothert mit Igelbesuch

Wenn durch die Einkreuzung einer Fremdrasse der Genpool der zu verbessernden Rasse erweitert wird, ist es dann nicht egal welche Rassen man einkreuzt?

Diese Frage muss energisch verneint werden! Es besteht bei Einzuchtmaßnahmen durchaus eine ernstzunehmende Gefahr vor der auch Genetiker warnen: Die Gefahr, durch die eingekreuzten Hunde Gendefekte in die Population einzubringen, die zuvor nicht vorhanden waren.

Bei der Auswahl der zur Einzucht kommenden Tiere einer Fremdrasse ist deswegen neben der Auswahl des einzelnen Hundes ganz besonders auf die Auswahl der Rasse zu achten. Zahlreiche Hunderassen sind genetisch vorbelastet, man denke beispielsweise an die Syringomyelie (eine schmerzhafte und unheilbare Erkrankung) beim Cavalier King Charles. Wie fatal wäre es doch, ausgerechtet derartige Krankheiten in die bestehende Mopspopulation mit hineinzuholen!

Ein weiteres Argument gegen die wahllose Einkreuzung irgendwelcher anderer Rassen ist die Tatsache, dass viele Rassen den Retromops in seiner Physiognomie - auch erst in späteren Generationen - von dem Erscheinungsbild Mops wegführen würden, sei es durch eine extreme Größenveränderung oder eine Veränderung des Haarkleides.

Mutter war Mops, Vater unbekannt. Mopsmix, KEIN Retromops!
Mutter war Mops, Vater unbekannt. Mopsmix, KEIN Retromops!

Meine Eltern haben sich einen Chihuahua-Mopsmischling gekauft, der ihnen als Retromops angeboten wurde. Ist das korrekt?

Wie bereits erwähnt, werden von uns bewusst und ganz ausdrücklich Rassen von einer Einzucht ausgeschlossen, die den Retromops in seinem Erscheinungsbild deutlich von der Rasse Mops wegführen. Hierzu gehören der Chihuahua und Rassen wie Boxer oder Labrador, die zu einer Größenveränderung führen - aber auch Einzuchten von Rassen, die zur Kurzbeinigkeit führen können. Hierunter fallen Rassen wie der Pekingese, der Corgi oder der Dackel. Ebenfalls kommt die Einzucht von Hunden mit lockigem, langem oder geschnürtem Haarkleid nicht infrage.

Häufig werden Chihuahuas dazu verwendet, sogenannte "Mini Retromöpse" zu erzeugen. Auch diese Verzwergungen lehnen wir ausdrücklich ab! Warum?

Ein zu klein gezüchteter Hund bekommt proportional zu seiner Verzwergung zunehmend gesundheitliche Probleme. So kann man beispielsweise die inneren Organe eines Hundes NICHT proportional zum Rest des Körpers kleiner züchten. Es entsteht also ein Missverhältnis zwischen den Organen und dem Rest des Körpers - das funktioniert aber auf Dauer gesundheitlich häufig nicht. Gleiches gilt für die Zähne eines Hundes, die schließlich im Kiefer nicht genug Platz finden. Fehlstellungen, Zahnwechselprobleme, Zahnverfall, Entzündungen und auch Zysten im Kiefer sind die unguten bis schmerzhaften Folgen. Ein weiteres Problem sind Fehlwüchse im Kopfbereich wie eine offene Fontanelle (nicht geschlossene Schädeldecke) oder der Hydrocephalus (Wasserkopf).

Auch die Patellaluxation (Verlagerung der Kniescheibe) und der Trachealkollaps (Zusammenfall der Luftröhre) kommen immer häufiger vor, je kleiner die Tiere sind. Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Belastung kann der viel höhere Stoffwechsel bei Zwerghunden darstellen, weswegen diese schneller unterzuckern und so teilweise eine spezielle Ernährung benötigen.

Ist ein Altdeutscher Mops dasselbe wie ein Retromops?

Nein, hierbei handelt es sich um unterschiedliche Zuchtrichtungen des Mopses. Der "Altdeutsche Mops" entstand nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland. Um die Rasse Mops am Leben zu halten, wurden damals Pinscher in den Mopsbestand eingekreuzt. Ergebnis waren Mopshunde mit strafferem Bindegewebe, wieder weniger extremen Körperformen und einem deutlich ausgeprägterem Fang. Diese pinscherbeeinflussten Hunde wurden damals als ganz normale Möpse eingetragen und gerichtet, aber wegen ihres erkennbar sportlicheren Aussehens als Altdeutsche Möpse bezeichnet. Leider wurden diese Hunde in der reinen Showzucht weitgehend wieder aus der Zucht verdrängt, weil sie den gefragten extrem kindlich-runden Formen der Show nicht entsprachen.

Der Retromops entstand viele Jahre später ebenfalls in Deutschland, weil einige wenige Anhänger der Rasse Mops den Beweis antreten wollten, dass der Standardmops auch dieser Tage wieder durch Fremdeinzucht und anschließender Rückzucht auf den Mops in kürzester Zeit aus dem mittlerweile in vielen Fällen quälenden Extrem des Standards geführt werden könnte, ohne seine mopstypischen Eigenschaften einzubüßen.

Geburtsstätte des Retros ist meine Zuchtstätte "vom Bromberg". Eingekreuzt wurde hier zunächst der Parson Jack Russell Terrier - allerdings ist später auch der Pinscher. Aktuell neu auch der Beagle als dritte Rasse.

Retromops und Altdeutscher Mops ähneln sich jedoch in ihrer Physiognomie. Im Übrigen findet der Altdeutsche Mops als nicht extreme Mopsvariante Berücksichtigung bei der Retromopszucht.

Ist der Retromops vom VDH anerkannt?

Eine Annerkennung durch denselben war und ist nicht beabsichtigt, da wir den dort favorisierten Standard für den Mops ausdrücklich ablehnen. Der Altdeutsche Mops wird im Übrigen ebenfalls nur in Dissidenz zum VDH gezüchtet, genauso wie spezielle Farben beim Mops.

Kann ich mit meinem Retromops Hundesport betreiben?

Der Retromops ist ein fröhlicher und bewegungsfroher kleiner Begleithund, der am liebsten immer mit von der Partie ist. Trotzdem legt er eine gesunde Gelassenheit an den Tag und muss keineswegs ständig ausgepowert  werden. Damit ist der Retromops ein echter Allrounder, eigentlich ein "Hund für alle Fälle".

Ein Allrounder zu sein, heißt aber auf der anderen Seite kein Spezialist zu sein. Der erwachsene, gesunde Retromops begleitet Sie gerne auf Ihren - auch stundenlangen - Wanderungen durch die Natur, suchen Sie jedoch einen Hund, der bei Ihren Fahrradtouren neben Ihnen herläuft, sollten Sie sich für einen großwüchsigen Laufhund entscheiden. Viele Retromöpse machen mit viel Spaß und Freude beim Agility mit. Sollten Sie sich aber eher dem sportlichen Wettkampf verpflichtet fühlen, sind Sie mit anderen Rassen besser beraten.

Etliche Retros begleiten ihre Besitzer am Pferd. Natürlich haben die Hunde auch Spaß an einem längeren Trab oder einem kleinen Galopp. Sollten Sie aber eher der sportliche Geländereiter sein, der sein Pferd auf Schnelligkeit und Ausdauer trainiert, ist der Retromops nicht der richtige Hund für Sie!