Retromopszucht vom Bromberg
Farbe - mehr als Outfit

Die Farbe - mehr als nur ein Outfit

Die Scheckungszucht (Piebald)

In der Scheckungszucht muss sich der Züchter bewusst sein, dass die sogenannte sensorineurale Taubheit in direktem Zusammenhang mit weißen oder auch weiß gefleckten Hunden steht. Deswegen ist eine extreme Weißzucht in unserem ZKR laut Zuchtordnung ausdrücklich untersagt!

Der Taubheitsanteil bei Hunden aller Rassen scheint proportional mit dem Ausmaß des Weißanteils, besonders dem im Kopfbereich, explizit der Ohren zusammenzuhängen. Ein entsprechender Gentest, der den entsprechenden Defekt lokalisieren könnte, ist derzeit nicht auf dem Markt.

Die sensorineurale Taubheit resultiert aus einem Melanozytendefizit in der Gehörschnecke. Weißscheckung entsteht nämlich durch eine unterdrückte Auswanderung von Pigmentzellen in die Haut während der Embryonal- und Fetalzeit. - Im Innenohr befinden sich beim gesunden Hund genau solche Pigmentzellen, die für die Schallweiterleitung wichtig sind, welche bei erkrankten Hunden fehlen.

Der Standard des ZKR Retromopses verlangt bei allen Tieren eine Maske und möglichst dunkle Ohren. Dies gilt auch für Hunde mit Scheckung. Von daher bedarf es in unserer Zuchtordnung nicht des Hinweises darauf, dass der Kopf möglichst wenig Weiß zeigen soll, wie es in der Zucht anderer Rassen aus gutem Grund gesondert betont wird.

Die Tüpfelung (Ticking)

Auch diese Farbgebung führt zurück auf die anteilige Einzucht von Fremdrasse - hier speziell des Parson Russells. Das Ticking von Schecken im Kopfbereich und an den Gliedmaßen wird im ZKR akzeptiert. Hierbei betonen wir, dass in der Zucht ein besonderes Augenmerk auf die Tüpfelung gelegt werden muss - auch hier steht der einzelne Züchter in der Pflicht. Getüpfelte Hunde können neben der sensorineuralen Taubheit eine weitere erbliche Krankheit, die Hyperurikosurie, aufweisen. Hierbei handelt es sich um eine Störung des Urinmetabolismus. Statt Alantoin wird hierbei Harnsäure ausgeschieden, was eine erhebliche Gefahr für eine Harnsteinbildung bedeutet. Deswegen raten wir unseren Züchtern bei Tüpfelung der Welpen zu dem entsprechenden Gentest.

Hier sieht man einen Teckel in der Merlefarbe - wie so oft odge-eyed.

Entgegen der Annahme früherer Zeit, dass eine Schädigung eines Tieres nur auftreten könne, wenn beide Elterntiere Merkmalsträ-ger des Merle wären, stellte sich schon in den 70ger Jahren (Wegner, 1977 / Studie mit Merleteckeln) heraus, dass auch Tiere aus Verpaarungen mit nur einem Merleträger Erkrankungen und Missbildungen zeigten, wenn auch mit geringerem Ausmaß der Schädigungen. Somit gab es in der Merle-zucht offensichtlich nie die angenommene Sicherheit nur erbgesunde Tiere hervor-bringen zu können.

Eine weitere Gefahr für die Zucht beinhaltet die Tatsache, dass manche Merlehunde eine derart geringe Ausbildung des Merle als Fellfarbe zeigen, dass sie als Träger des Defektgens übersehen werden und somit unwissentlich zwei Merkmalsträger verpaart werden könnten.

Bei unserem ZKR Retromops kennen wir wieder eine breite Farbpalette. - Wir haben schwarze und beige Retromöpse - aber auch Hunde in der Farbgebung Brindle / Stromung und oder in Piebald / Scheckung, teils einhergehend mit dem sogenannten Ticking / Tüpfelung. Dies ist den Einzuchten des Parson Russell Terriers, des Pinschers und des, aus Amerika stammenden, Farbmopses und dem dadurch erweiterten Genpool zu verdanken. 

Dabei weise ich darauf hin, dass Farbe mehr ist als bloße Äußerlichkeit oder Geschmackssache. Manche Farbgebungen verlangen vom Züchter ein besonderes Maß an Umsicht - eine Farbe ist im ZKR aus Tierschutzgründen komplett tabu, wie ich im Folgenden ausführen werde.

Hier ein typischer Vertreter der Scheckung - ein Jack Russell Terrier.

Zeigt ein Tier keine Maske, wird es von uns nicht zur Zucht zugelassen - es sei denn, es kann über einen Gentest nachweisen, dass es Maskenträger ist und hat zudem einen Audiometrietest zur Abklärung des Gehörzustandes als gesund abgelegt. Wir empfehlen diesen Test unseren Züchtern auch, wenn ein Welpe überwiegende oder extreme Weißfärbung zeigt. Bislang ist dies im ZKR für den Retromops aus zuvor erläuterten Gründen noch nicht verpflichtend vorgesehen, wie es beispielsweise im VDH für den Dalmatiner und auch den Parson Russell Terrier gehandhabt wird.

Bei diesem Hund ist die Tüpfelung (das Ticking) im Brustbereich und an den Vorderläufen sehr schön zu erkennen.

Ein weiterer Faktor, den es zu beachten gilt, ist ein Protein des MITF-Gens, welches für die weiße Farbe mitverantwortlich ist. Mutationen des MITF-Gens können zu verschiedenen Formen des Leuzismus und der Scheckung führen. Außerdem können hierdurch Fehlbildungen der Augen auftreten (MITF = Mikrophthalmie-Assoziierter Transkriptionsfaktor).

Das Merle

Um es gleich zu sagen: Der ZKR hat die Zucht mit merlefarbenen Hund für seine Züchter komplett ausgeschlossen. Hierfür gibt es gute Gründe.

Merle ist eine Genmutation und verursacht durch Depigmentierung eine marmorierte Fellscheckung. Merlehunde zeigen häufig eine hellblaue Augenfarbe.

Das Merlegen ist ein Defektgen. Fehlbildungen des Innenohrs bis hin zur Taubheit und Fehlbildungen der Augen bis zu vollständige Blindheit können die Folge sein. Nicht wenige Tiere zeigen Entwicklungsstörungen bis hin zum Tod im noch juvenilen Alter. Rüden zeigen zudem häufig Fortpflanzungsprobleme - um nur einige der Konsequenzen dieser Farbgebung anzuführen.

Ein Sheltie in Merle, ebenfalls mit einem blauen Auge.

Mopshunde, die die Farbe Merle zeigen stammen übrigens samt und sonders aus Verpaarungen mit anderen Rassen, wie dem Chihuahua - denn Merle war niemals eine Farbe des Mopses - während sowohl Schecken als auch gestromte Tiere in frühen Darstellungen des Mopses gezeigt wurden.