Retromopszucht vom Bromberg
Die Mopsnase

Warum ich für deutlich mehr "Nase" beim Mops eintrete und mich trotzdem gegen Hauruckmethoden ausspreche.

Müssen wir den Mops aufgeben? - Eine Positionierung

Nun ist es geschehen: um der unglaublichen Uneinsichtigkeit der Standardmopszucht und ihren, in vielen Fällen für die betroffenen Hunde gesundheitlich inakzeptablen Zuchtergebnissen Einhalt zu gebieten, wird zu harschen Mitteln gegriffen. Nach den Forderungen einiger, soll auch der Mops nun also einen Schnauzenanteil von beachtlichen 50 % des Gesamtschädels bekommen, um als Rasse weiterhin gezüchtet werden zu dürfen, da er ansonsten in die Kategorie Qualzucht fallen würde. Dies ist beispielsweise aktuell augenscheinlich eine neue Gesetzgebung der Niederlande für die Rassehundezucht und betrifft ALLE Rassehunde dort.

Dies scheint zurückzugehen auf eine Studie aus dem Jahr 2015 von Forschern des Royal Veterinary College der University of London, wo man postulierte, dass Hunde mit einem Schnauzenanteil von weniger als 50% des Gesichtsschädels und großen Halsumfängen ein erhöhtes Risiko für das BAS (Brachycephales AtemnotSyndrom) hätten. Das würde bedeuten, dass der Mops in etwa eine Schnauze wie ein Standardpinscher bekommen würde.

Die Frage hierbei muss sein, wie das züchterisch zu bewerkstelligen sein wird. Was Züchter eindeutig einbringen müssten, wäre ein enorm hoher Fremdblutanteil - da, wie wir aus Erfahrung sagen können, schon Mopshunde mit einem immerhin 25-prozentigen Fremdblutanteil kaum mehr als nur einen 30-prozentigen Schnauzenanteil zeigen, eher weniger.

Zudem müssten natürlich aus Züchtersicht weitere Komponenten auf dem Gesundheitssektor mitberücksichtigt werden, da ein Hund nun mal nicht nur aus der Länge seiner Schnauze besteht. Weiterhin sollte man auch bedenken, dass charakterliche Eigenschaften einer Rasse für viele Menschen gerade das sind, was sie gerne in einem gewissen Rahmen "sicher" in ihrer Rassenwahl wiederfinden möchten.

Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer derart drastischen Vorgehensweise erhebt bereits eine Studie der Cambridge University aus dem Jahr 2017. Dort wurden über 600 Möpse und Bulldoggen, sowie französischen Bulldoggen vermessen und man hat dabei festgestellt, dass anhand dieser Messungen schlicht und einfach NICHT festgelegt werden konnte, welcher Hund denn nun Atemprobleme hatte oder entwickeln würde und welcher nicht.

Natürlich bleibt festzuhalten, dass diese Messwerte durchaus prädikativ für die Entwicklung eines BAS sind - trotzdem scheint es wenig sinnhaft, die Zucht dieser Rassen auf eine so simple Messtechnik herunterzubrechen, die eben doch nur bedingte Aussagekraft hat, und damit mit großer Wahrscheinlichkeit den Untergang dieser Rassen - wie mir persönlich scheint: ungerechtfertigter Weise - herbeizuführen.

Auf die gesamte Hundezucht hochgerechnet - wir dürfen ja keinesfalls vergessen, dass der gesamte Rassehundebestand über lange Zeit durch die willkürliche Zuchtauswahl und die seit viktorianischer Zeit geschlossenen Zuchtbücher in das Dilemma der "rein gezüchteten rassetypischen Krankheitsmerkmale" gekommen ist - würde das am Ende des Tages doch darauf hinauslaufen, dass (um allen möglichen Problemen aus dem Wege zu gehen) nur mehr ein mittelgroßer, wolfsähnlicher Mischlingshund übrig bleiben würde, wenn man das Szenario konsequent bis zum Ende durchdenkt. Das wäre doch einfach Wahnsinn....

Sollten wir den Mops und seine Gesundheit also wirklich quasi "mit dem Bade ausschütten"? Ich denke: NEIN! Die Zucht des Retromopses zeigt doch seit weit mehr als einem Jahrzehnt, dass es einen Weg gibt, den Mops als vitale Rasse zu erhalten, ohne dass die Zuchtergebnisse aus dem ureigenen Bild des Mopses herausfallen. Wir haben mittlerweile viele Hunde mit Schnauzenanteilen von 25, 27 und auch 30% des Gesamtschädels, die Nasenlöcher weiten sich auf (was die Cambridgestudie übrigens als den wichtigsten Hinweis auf ein beschwerdefreies Leben bezüglich der Atmung der rundköpfigen Rassen benennt). Die Figuren sind einschließlich der Halspartie bereits schlanker und gestreckter. Selbst die (noch) mopsigeren Staturen einiger Hunde profitieren vom insgesamt festeren Bindegewebe und dem vergrößerten Genpool unserer Hunde.

Statt dem Mops, der wie alle Rassehunde ein wichtiges Kulturgut der Menschheit ist, nun mit überzogenen Vorgaben den Todesstoß zu versetzen, sollte den Züchtern unter klar umrissenen, aber eben auch erreichbaren Vorgaben die Chance und die Verpflichtung gegeben werden, diesen Hund in einer "Urform" zu bewahren, die ihm ein gutes Leben und den Menschen die Freude an diesem einzigartigen Hund bewahrt. - Unsere seit über einem Jahrzehnt betriebene Arbeit bringt doch Hunde hervor, deren Atmung im Gegensatz zum Standardmops in der Regel mühelos ist. Schließlich wird schon in einer Inaugural-Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München aus dem Jahre 2012 ausdrücklich darauf verwiesen, dass Retromöpse nach einem Belastungstest in guter Zeit zu Normalwerten im Bereich Atmung und Herzfrequenz zurückkehren konnten.

Mit Augenmaß gesetzte, klare Regeln können dies ermöglichen -  jetzt, hier und heute, wenn die Züchter sich endlich bewegen und wie wir als Züchterkreis die Chancen der Auszucht ergreifen. Und das bevor es auch bei uns in Deutschland von Gesetzgeberseite letztlich zu derart rigorosen Maßnahmen kommt wie aktuell in den Niederlanden...

Die Mopsnase

Eines der wichtigsten Organe des Hundes ist seine Nase. Er ist ein Makrosmat, dessen Geruchssinn außerordentlich ausgeprägt ist.  Ein Hund kann im Verhältnis zum Menschen (einem Mikrosmat) etwa eine Millionen Mal besser riechen und kann erschnüffelte Gerüche wesentlich intensiver in sich aufnehmen - es handelt sich also bei der Hundenase um ein besonders empfindliches Organ.

Hunde spüren mit der Nase Beute auf, wittern Gefahr oder nutzen sie für die Partnersuche. Sie lesen mit der Nase den Baum im Stadtpark wie wir Menschen eine Zeitung studieren. Um diese Funktion erfüllen zu können, muss das Naseninnere den entsprechenden Platz in Anspruch nehmen können. Deswegen ist die Riechleistung größerer Hunde im Allgemeinen auch besser als die der kleineren und die der Hunde mit Normalschnauzen, um ein Vielfaches besser als die der Plattschnauzen.

Normocephale (normalschädelige) Hunde besitzen eine wesentlich größere Oberfläche im Naseninneren, um Duftmoleküle aufzunehmen und zu speichern. Diese gelangen über die Nasenlöcher in die Nasenhöhlen, die mit Schleimhäuten ausgekleidet sind. Hier befinden sich die sogenannten Nasenmuscheln, kleine Knorpellamellen, die die Oberfläche der Riechschleimhaut um ein Vielfaches vergrößern. Hier sitzen auch die Drüsen, die die Hundenase ständig mit Feuchtigkeit versorgen - deswegen ist die Hundenase feucht und kalt.

Die Informationen der in der Nasenschleimhaut angesammelten Duftpartikel werden durch elektrische Impulse direkt über den Riechnerv ans Riechzentrum im Gehirn übertragen und analysiert. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass bei extremen Änderungen eines solchen Sinnesapparates die Funktion gestört wird.

Wenn man sich folgende schematische Darstellung der JUH Gießen einmal bewusst macht, kann man sich leichter vorstellen, was dem extrem plattgesichtigen Mops von diesem diffizilen Aufbau noch übrig geblieben sein kann. Denn im Grunde fehlt der gesamte vorgelagerte Anteil der Schnauzenpartie und alle normalerweise dort befindlichen Anteile müssen deswegen auf dem verbliebenen Schnauzenrest gestaucht werden:

Besonders die Nasenmuscheln werden infolge dieses Umstandes missgebildet und führen bei etwas ansteigenden Temperaturen via Anschwellen der Schleimhäute zu teils sehr massiven Atemproblemen. Dass es hierbei insgesamt zu Platzproblemen und weiters auch zu Störungen der Funktionen 'Anwärmen' und 'Filtern' der eingeatmeten Luft kommt, ist sicher auch klar.

Wie vielleicht nicht jeder weiß, funktioniert die Atmung der Möpse wie die der Menschen über Unterdruck. Das heißt, die Luft wird über einen Unterdruck im Brustkorb in die Lungen gezogen.

Sind die Nasenlöcher normal rund und weit, so ist diese Funktion mühelos und es kann mit jedem Atemzug genug Sauerstoff eingeholt werden. Sind die Nasenlöcher jedoch verengt oder wie bei vielen Möpsen zu Schlitzen geworden, kann die Luft nicht so schnell einströmen, wie der Unterdruck es erforderlich macht. Da ein Hund ein Nasenatmer ist, der nur im äußersten Notfall durch die Schnauze atmet, entsteht so ein ständig erhöhter Unterdruck, welcher dramatische Folgen für das empfindliche Gewebe des gesamten Atemtraktes hat:

Durch forcierte Schnauzenatmung kann es zu gehäuften Infektionen der Atemwege kommen, da die Atemluft so weit weniger angewärmt und gesäubert wird. Das Gaumensegel kann ausleiern, die Mandeln können mit jedem Atemzug wieder und wieder ins Lumen des Atemtraktes gezogen und so gereizt werden, der Kehlkopf kann instabil werden und zusammenklappen, die vorgefallenen Stimmtaschen und / oder verdickte Schleimhaut können die Stimmritze einengen, die Luftröhre kann kollabieren.

Spätere Folge einer so erschwerten Sauerstoffzufuhr ist, dass das Herz wesentlich mehr arbeiten muss, um den Körper und seine Organe durch vermehrtes Pumpen trotzdem mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Dies führt zu einer ständig erhöhten Temperatur (Hyperthermie), was besonders bei höheren Außentemperaturen gefährlich sein kann - erkennbar an dem schweren und lange anhaltenden Hecheln der betroffenen Hunde. Durch die ständige Überbeanspruchung des Herzens kann es auch diesem selbst zu Veränderungen kommen, welche zunächst schneller zu Erschöpfungszuständen führen, später aber auch jeder Zeit mit dem plötzlichen Herztod einhergehen können.

Deswegen ist es mir so immens wichtig, Retromöpse mit durch den Fremdblutanteil wieder funktionsfähigen mesocephalen Gesichtsschädeln zu züchten.

Kendra v. Bromberg - mit weit geöffneten Nasenlöchern
Kendra v. Bromberg - mit weit geöffneten Nasenlöchern

Das züchterische Einbringen gesunder Tiere einer passenden Fremdrasse und die anschließende Verdrängungszucht zurück auf die Rasse Mops führt uns  sofort weg vom den züchterischen Extremen der reinrassigen Standardzucht und mit großer Zuverlässigkeit zurück zum genetisch reicheren und phänotypisch gemäßigterem Mops, der damit wieder Hund sein kann und darf.

Zu dieser Thematik sei an dieser Stelle die bekannte österreichische Genetikerin Irene Sommerfeld-Stur zitiert:

"Aus sachlicher Sicht gibt es somit keine wirklich berechtigten Argumente gegen Einkreuzungen. Im Interesse der Gesundheit von Rassehunden sollten sie daher immer dann in Betracht gezogen werden, wenn die genetische Varianz einer Population erschöpft ist bzw. wenn gesundheitliche Probleme einer Rassepopulation durch andere Maßnahmen nicht mehr unter Kontrolle zu bringen sind. Dogmatische Ablehnung jeder Art von Einkreuzung durch Züchter und Zuchtverantwortliche erscheint jedenfalls im Sinne der von Zuchtverbänden durchwegs als eines der wichtigsten Ziele geäußerten Intention zur Zucht gesunder Rassehunde kontraproduktiv und ungerechtfertigt."

Lesen sie hier zum Thema Mopsnase auch die Ausführungen im Magazin "Hounds and People" von Herrn Professor Dr. Gerhardt Öchtering / Leiter der Kleintierklinik der Universität in Leipzig: https://www.houndsandpeople.com/de/magazin/wissen/hunde-schwitzen-mit-der-nase/

Ein Link zu einer englischen Studie ( BOAS Studie der Universität Cambridge) zum Thema: https://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-4747346/Breathing-issues-pugs-t-predicted-appearance.html