Retromopszucht vom Bromberg
Welpenübernahme - wann?

Welpenübernahme - Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Der richtige Zeitpunkt für die Welpenabgabe ist schon seit Jahrzehnten ein heiß umstrittenes Thema. Prinzipiell sollte man bei diesem Thema im Auge behalten, dass eine Pauschalaussage immer höchstens eine recht grobe Angelegenheit sein kann. In der Entwicklung von Welpen spielen einfach zu viele verschiedene Faktoren eine Rolle wie ich hier für Sie ausführen möchte.


Hund ist nicht gleich Hund

Es gibt große, mittlere, kleine und winzige Schläge. Man hat festgestellt, dass extrem kleine Hunde zwar schneller ihre Endgröße erreichen, in ihrer Welpenphase aber deutliche Entwicklungsverzögerungen, seelischer wie körperlicher Natur, aufweisen. Auch sehr große Rassen zeigen häufig eine Entwicklungsverzögerung der Welpen. Der Retromops gehört hierbei zwar den kleinen Hunderassen an - aber mit zwischen 7 und 10 - 12 Kilo Durchschnittsgewicht keinesfalls zu den Minirassen. Er zeigt (bei regelgerechter, sorgfältiger Aufzucht) in allen Entwicklungsschritten exakt die, im Themenpunkt "Welpen" geschilderten Schritte und zwar ganz genau im dort angegebenen Zeitrahmen.

Die Hündin

Sie muss schon vor dem Belegen bestens ernährt und gehalten werden, um ihren Welpen in der Trächtigkeit möglichst viel mitgeben zu können. Nicht umsonst wird vom ZKR eine angemessene Pause zwischen zwei Würfen gefordert. Hat eine Hündin einen normalgroßen Wurf (der Durchschnitt beträgt hier beim Hund dieser Größe 5,5 Welpen), so ist ein Aussetzen bei der nächsten Hitze die Forderung, die sich der gewissenhafte Züchter selber stellt.  Wird eine Hündin über Jahre in jeder Hitze belegt, so ist das Ergebnis, dass sie immer kleinere und schwächere Welpen wirft. Diese armen Würmer können selbstredend nicht die gleiche Entwicklungschance haben wie die Welpen einer sorgsam geführten Zucht!
Welpen einer ausgeruhten und fitten Hündin bringen beim Retromops etwa zwischen 150 und 200 Gramm auf die Waage. Das relative Geburtsgewicht eines Hundewelpen (Gewicht des Welpen im Verhältnis zum Adultgewicht der Hündin) beträgt 2,25 %. Natürlich gibt hier Ausreißer nach oben oder unten - zudem hat die Wurfgröße Relevanz auf die Einzelgewichte der Welpen. Es wird insgesamt ein mittlerer Wert von 12% für den Gesamtwurf unabhängig von der Welpenzahl angegeben.
Bei Welpengeburtsgewichten, die zwischen 90 und 120 Gramm liegen, ist es jedoch nur logisch, dass diese Tiere länger brauchen können, um aufzukommen.

Die Betreuung der Hündin unter der Geburt

Jedem leuchtet sicher ein, dass eine gut betreute und bewegte Hündin gewöhnlich fitter in die Geburt geht und diese besser und schneller, mit kräftigeren Welpen hinter sich bringen kann. Hündinnen, die nicht in optimaler Verfassung sind, zeigen eher Wehenschwächen, da hilft es auch nichts, wenn die Welpen klein und mickerig sind. Die Geburt verzögert sich - Wehenmittel oder ein Kaiserschnitt können so nötig werden oder es werden schließlich tote Welpen geboren, weil sie zu lang im Geburtskanal stecken mussten. (Diese gehen dabei höchstwahrscheinlich wegen Stress durch Herzversagen oder aber durch Sauerstoffmangel zugrunde). Ist der Züchter zudem ahnungslos und ungenügend ausgebildet, was die Dinge um die Geburt angeht, ist der schlechtere Verlauf für Mama und Welpen vorprogrammiert. Die Welpen aus solcher "Zucht" brauchen Tage, um sich zu erholen. Hündinnen aus solchen Verhältnissen sind nach der Geburt teils regelrecht traumatisiert und können so ihre Welpen nicht wie vorgesehen versorgen.
(Um es klar zu sagen: Natürlich können Wehenmittel oder Kaiserschnitte auch in einer guten Zucht notwendig werden, in der Regel sind sie es aber eben nicht! Genauso wenig wie die armen toten Welpen, die dann das Licht der Welt nicht mehr rechtzeitig erblicken konnten.)

Die Versorgung und Betreuung der Mutter und des Wurfes

Auch dies ist ein wichtiger weiterer Baustein - eine gut genährte gesunde Hündin kann ihre Welpen besser säugen. Züchter, die nun nahezu ihre gesamte Zeit und Energie in die Betreuung investieren, haben einen großen Einfluss auf die Milchbildung der Hündin. Sie achten darauf, dass alle Welpen zum Zug kommen und dass alle Zitzen gleichmäßig angenommen werden. Diese recht arbeitsintensive Verhaltensweise bringt Hündin und Wurf unsagbare Vorteile ein. Die Welpen nehmen gleichmäßig an Gewicht zu und die Hündin entgeht der Gefahr eines Milchstaus, was die Milchproduktion sofort empfindlich stören würde - Fieber der Hündin und Durchfall der Welpen inbegriffen.

Peinliche Sauberkeit!

Welpen gedeihen in sauberer Umgebung natürlich besser, als in schmuddeligen unhygienischen Verhältnissen. Sauberkeit ist aber immer und überall die Schutzpatronin der Gesundheit - warum sollte das für Hundekinder nicht gelten? All zu leicht können Infektionen das empfindliche Immunsystem des Welpen unnötig stressen, eine Entwicklungsverzögerung folgt auf dem Fuß!

Die artgerechte Fütterung

Selbstredend ist eine gute und angepasste natürliche Ernährung von unschätzbarem Wert für Hündin und Welpen. Die artgerecht-hochwertig ernährte Hündin kann ihre Welpen bestens versorgen, ohne selber in ein Manko zu geraten, was sie nachhaltig schwächen würde. Manche Zuchthündinnen haben schon in frühen Jahren den Verlust ihrer Zähne zu beklagen und man könnte da durchaus an die Folgen einer Unterversorgung in den Zeiten der Welpenversorgung denken.
Auch für die Welpen ist zu gegebenem Zeitpunkt die Zufütterung von größtem Wert. Schließlich bedeutet die freudig aufgenommene Zusatzfütterung nicht nur gutes Gedeihen der Welpen, sondern auch eine Entlastung der Hündin, die so nicht allein mit ihrer Milch die Versorgung zu bestreiten hat.

Die Fütterung ist also ein immens wichtiger Bestandteil für die gute Entwicklung. Welpen aus nicht optimalen Verhältnissen zeigen gegenüber anderen Welpen eine Entwicklungsverzögerung - sie nutzen nämlich alle Ressourcen zuerst für das Wachstums ihres Gehirns, erst danach wird der übrige Körper versorgt.

Förderung der Welpen

Die Förderung der Welpen durch altersgemäße Spiel- und Erlebnisangebote sowie dem Anbieten einer natürlichen Möglichkeit des Kot- und Harnabsatzes ist von immensem Wert für die Gesamtentwicklung. Freie Bewegung und viel Platz ermöglichen das Trainieren der motorischen Fähigkeiten. Alle Sinne müssen angeregt und milde gereizt werden, um eine gute Entwicklung machen zu können. Auch dies ist wieder ein Punkt, der zeit- und arbeitsintensiv ist und den man vor allem wissen muss, will man als Züchter das Bestmögliche für seine Hunde erreichen.

Fazit

Hunde aus guter Zucht sind entwicklungsmäßig mit Hunden aus Stätten, wo nur unwissend vermehrt oder auch einzig zwecks Handel produziert wird, in keiner Weise zu vergleichen. Ihr Entwicklungsvorteil umfasst leicht mehrere Wochen. Ihre Grundlage für ein glückliches und gesundes Hundeleben ist eine elementar andere!

Käufer tun gut daran, um all diese Gegebenheiten zu wissen, darüber nachzudenken und entsprechend auszuwählen, wo sie ihren Welpen kaufen möchten. Eine pauschale Festlegung des rechten Abgabezeitpunktes ist für mein Dafürhalten nicht machbar. Sie wiegt den Käufer in einer Sicherheit, die so nicht existiert, wenn man das Vorgeschriebene resümiert.

In der Regel sind unsere Welpen aus vorgenannten Gründen mit Beginn der 9. Lebenswoche soweit, in ihre neuen Familien abgegeben zu werden. Sollte dies im Einzelfall zu früh erscheinen - schließlich kann es auch in der besten Zucht den ein oder anderen "Spätzünder" geben - entscheiden wir zugunsten des Welpen und der neuen Halter für einen etwas späteren Auszug.  

Buchempfehlungen für Interessierte: Kynos Verlag: Dr. Dieter Fleig "Die Technik der Hundezucht" - Oertel + Spörer: Frank Jackson "Hunde züchten" - Gollwitzer Verlag: Ilse Sieber "Hundezucht naturgemäß" - Haupt Verlag: Hans Räber "Brevier neuzeitlicher Hundezucht" - Cadmos Verlag: E.-M.Krämer/U.Siegel "Hundezucht für Einsteiger"