Retromopszucht vom Bromberg
Züchterethos

Meine Gedanken zu Züchter- und Käuferethos

Um mich in meinem Verständnis von Zuchtethik zu erklären, werde ich im Folgenden einige Leitlinien des großen Genetikers Malcolm B. Willis aus seinem Buch "Genetik der Hundezucht" (1994) aufgreifen und wiedergeben und auf mich beziehen.

Willis sah einen engagierten Hundezüchter als Mensch, der zunächst mal an Hunden ganz allgemein interessiert war, sich dann aber über die Zeit des Zusammenlebens und Kennenlernens mit und von Hunden einer Rasse speziell verschrieben hat.
So wie ich nach vielen Jahren Hundeinteresse und -haltung schließlich im Mops "meine Rasse" entdeckte.

Alsdann verlangte Willis, dass sich ein ernsthafter Züchter bemühen sollte, alles über seine Rasse zu lernen, was es zu lernen gibt.
Ich selbst habe nahezu ein Jahrzehnt gesucht, gefragt, gelesen und gelernt, bevor ich den Mut hatte, mich dem Wagnis Zucht zu widmen.

Willis forderte ausdrücklich, dass die Zuchthunde und Welpen voll im eigenen Haushalt zu integrieren sind, man sie richtig zu sozialisieren, zu füttern und zu halten habe. Das beinhaltete für ihn, dass man nur so viele Hunde halten soll, wie man sich auch noch intensiv mit jedem einzelnen befassen kann.
Diese Forderungen kann ich nur aus ganzem Herzen unterschreiben!

Eine weitere Forderung bestand darin, dass man klipp und klar den Ehrencodex aufrecht zu halten hat, der besagt, dass man jedem Hund aus seiner Zucht unbedingt hilft oder zurücknimmt, sobald er irgendwie in Not gerät.
Meine Welpen werden nur mit einem sie entsprechend schützenden Vertrag abgegeben, der sicherstellen soll, dass sie bei einer eventuell notwendig werdenden Abgabe zu mir zurückkommen oder ich zumindest ein Zuhause für sie suchen kann und sie nicht etwa einfach in ein Tierheim abgegeben werden.

Schlussendlich gab Malcom B. Willis engagierten Züchtern, die ernsthaft dieses Prädikat in Anspruch nehmen wollen, den Rat "niemals zu fragen, was die Rasse für sie tun kann". Sie sollten vielmehr bemüht sein, sich zu fragen, "was sie für die Rasse zu tun vermögen".
Ich hoffe, diesem hohen Anspruch in gebührendem Maße nachkommen zu können und bemühe mich stets sehr darum.

Andererseits muss ich aber auch vom Welpenkäufer eine entsprechende Einstellung erwarten dürfen. Meiner Ansicht nach kann man ja nicht nur auf die eine Seite, nämlich den Züchter, blicken, wenn es um eine so sensible Sache, wie die Anschaffung, beziehungsweise aber eben auch die Abgabe eines Hundewelpen geht.

Leicht und locker werden von Interessenten Forderungen zur Integrität des Züchters gestellt, was ja auch verständlich ist - aber wie sieht es andererseits mit der des Interessenten aus? Wo ist seine ehrliche Bereitschaft, sich in diese Beziehung einzubringen?

Wie viel Auskunft, Grundlagenwissen, Verantwortung kann ich erwarten, von jemandem, der einen meiner Zöglinge mitnehmen möchte? Und wie kann mir der Käufer garantieren, dass ich mich dann auch auf das verlassen kann, was mir als Auskunft erteilt wird?

Auch ich als Züchterin hätte am liebsten für alles, was mit "meinem" Hund geschehen könnte, den ich ja liebevoll aufzog und von Geburt an begleitete,  eine tausendprozentige Garantie... Leider gibt es die verständlicherweise nicht - wie es sie von meiner Seite aus eben auch nicht geben kann.

Ich weiß, es gibt keine einfachen Antworten auf die hier angeführten Fragen und doch habe ich sie mal zusammengetragen und aufgeschrieben. Es ist für mich eine riesige Kraftanstrengung, mir klar zu werden, ob mein Gegenüber einen meiner Welpen gut und dauerhaft in sein Leben integrieren können wird.

Die Auswahl der richtigen Welpeneltern ist für mich das bei weitem Anstrengendste an der Aufzucht eines Wurfes - weil es nämlich meine Verantwortung meinen Hunden gegenüber ist, wenn ich mich in einem Käufer täusche und den Welpen falsch platziere. Und das wiegt für mich schwer! Damit will ich diesen Punkt mit der Bitte beenden, einfach mal über das hier Geschriebene nachzudenken.
Danke.